Messtechnik

Wie wird gemessen?

Radionutzung in der Schweiz wird gemessen und nicht erfragt. Die Daten stützen sich also weder auf von ausgewählten Personen geführte Tagebücher noch auf das Erinnerungsvermögen der erfassten Bevölkerung. Dadurch gewähren wir eine hohe Genauigkeit. Zudem verlangt die Messung keinerlei Mitarbeit der Testpersonen, nebst deren Bereitschaft zur Teilnahme. Sie ist also passiv.

Die Radiomessung erfolgt mit der Mediawatch, einer Armbanduhr, die ein Mikrophon integriert hat. Mittels diesem Mikrophon werden also die Töne der Radioprogramme aufgezeichnet, welche die Testperson hört. Diese aufgenommenen Geräusche werden in digitale Informationen umgewandelt – und zwar so, dass sie niemals abgehört werden können. Es handelt sich dabei lediglich um Zahlenreihen, welche einen kleinen Ausschnitt (100 Bytes statt 12'000 Bytes) der ursprünglichen Umgebungsgeräusche darstellen. Diese digitalen Informationen werden auf einem Chip in der Uhr gespeichert.

Die Mediawatch  wird von ausgewählten, einem Querschnitt der Schweizerischen Bevölkerung entsprechenden Personen während jeweils 7 aufeinanderfolgenden Tagen getragen. Nach dieser Trageperiode senden die Testpersonen die Uhr ans Partnerinstitut zurück, wo dann mittels Audio Matching die Radionutzung dieser Testpersonen ermittelt werden kann. Täglich sind gut 1'000 Messgeräte im Feld. Damit lässt sich die Radionutzung zuverlässig auf die Gesamtbevölkerung hochrechnen.

Audio Matching

Audio Matching wird der Prozess genannt, welcher die vom Messgerät aufgezeichneten Daten mit Referenzdaten von allen zu messenden Radioprogrammen vergleicht. Dieser Vorgang geschieht nicht auf der Uhr, sondern auf einem zentralen Rechner beim Partnerinstitut, welches die Feldarbeit durchführt. Alle Panelisten senden ihre Uhr nach der Trageperiode an das Institut zurück, wo die gespeicherten Daten ausgelesen werden. Andererseits werden die Referenzaufzeichnungen aller Programme täglich von Messstationen an das Institut übermittelt und auf ihre Vollständigkeit überprüft. Sobald nun alle Panelisten-Uhren eines bestimmten Messtages vorliegen, läuft der Vergleichsprozess zwischen den Daten von der Uhr und denjenigen von den Messstationen – eben das Audio Matching. In der Regel geschieht dies 18 Tage nach dem eigentlichen Messtag.

Wie stellen wir den Datenschutz sicher?

Die Datenreduktion gewährt die Privatsphäre der Teilnehmer, denn der Originalton kann mit den akustischen Fingerabdrücken unmöglich wiederhergestellt werden. Letztere sind in der Tat nicht einmal hörbar; es sind lediglich Zahlenreihen.

Hat die Signalqualität einen Einfluss auf die richtige Erkennung der Radiosender?

Kaum. Solange das Signal hörbar ist, auch wenn es rauscht, funktioniert das Audio Matching. Das haben extensive Labortests gezeigt. Dies dürfte im ersten Moment überraschen, ist aber nicht weiter erstaunlich, wenn man bedenkt, dass für den Algorithmus des Audio Matchings bloss die Klangdynamik zählt und nicht wie für das menschliche Ohr, das tatsächlich Gehörte. Der Algorithmus funktioniert erst dann nicht mehr, und zwar absichtlich, wenn das menschliche Ohr das Radioprogramm auch nicht mehr ausmachen würde, z.B. wenn es durch ein weitaus lauteres Geräusch überlagert wird.

Wieso muss ein gepaartes Klangmuster gleichzeitig sein? Wieso korrelieren wir nicht einfach rund um die Uhr?

Sonst gäbe es zu viele Falscherkennungen. Die Wahrscheinlichkeit ist zu gross, dass jemand ein Musikstück abspielt, das an diesem Tag auch auf einem der vielen Radiosender lief. Um zuverlässig sagen zu können, dass der Panelist das Musikstück am Radio hörte, muss es eben zum Zeitpunkt sein, als es am Radio lief. Das Audiomatching lässt eine Signalverzögerung von bis zu 3 Sekunden zu.

Was wenn zwei Radioprogramme das Gleiche senden?

In der Regel handelt es sich dabei um gemeinsame Sendungen, Fensterprogramme oder programmmässige Umschaltungen eines Senders auf einen anderen Sender. Hier wird die Nutzung jenem Sender zugeschrieben, den der Hörer bereits vor dem gemeinsam ausgestrahlten Programm eingeschaltet hatte.