Ausblick

Die 2009/2010 von uns durchgeführte Time Use Studie hat gezeigt, dass wir mit dem aktuell verwendeten Messsystem 95% der Radionutzung erfassen.  Wir erfassen die gesamte Nutzung, wenn sie terrestrisch, per Kabel, Satellit, DAB oder DAB+ erfolgt. Anders ausgedrückt, hört jemand mit einem herkömmlichen Gerät Radio (Transistor-Radio, Stereoanlage, Autoradio usw.), dann können wir das auch messen. Was wir allerdings zur Zeit noch nicht messen können, ist das Hören von Radio via Internet oder das Hören von heruntergeladenen Radiobeiträgen. Der Grund, weshalb das heute operative Audio Matching Prinzip gestreamtes Radio nicht erfassen kann, liegt in der dynamischen Übermittlung des Signals. Bevor der PC ein Radioprogramm abspielen kann, muss er zuerst den sogenannten Live-Stream laden. Die Übertragung via PC ist gegenüber derjenigen eines Transistorradios verzögert. Zwischendurch muss der PC unter Umständen auch noch "puffern", was einen kurzen Unterbruch im Empfang und eine zusätzliche Verzögerung verursacht. Audio Matching kann allerdings ein unterschiedlich verzögertes Signal nicht erfassen.

Hört jemand mit Kopfhörern, dann entgeht das unserem System in der heutigen Form ebenfalls. Der Grund dazu liegt im Prinzip des Audio Matchings. Damit dieses funktioniert, braucht es einen hörbaren Ton und das Gesendete muss mehr oder weniger ohne Zeitverzögerung gehört werden können.

Wir arbeiten intensiv daran, diese Lücken so rasch wie möglich zu schliessen, zumal diese neuen Verbreitungswege durch unterschiedliche Personen unterschiedlich intensiv genutzt werden. Das bedeutet nicht nur, dass 5% fehlen, sondern leider auch, dass das Manko in unterschiedlichen Zielgruppen unterschiedlich gross ist.

Wir arbeiten deshalb auch an verschiedenen Stossrichtungen gleichzeitig. Die beiden zur Diskussion stehenden Hauptrichtungen sind folgende:
1. Das Messsystem erweitern
2. Die Nutzung anderweitig erfassen und ins Panel aufrechnen

 

1. Das Messsystem erweitern

Wie bereits erwähnt, lässt zur Zeit das Audio Matching eine Signalverzögerung von bis zu 3 Sekunden zu. Da aber die Übertragung via Web verzögert zum herkömmlichen Radio ist und diese Verzögerung auch nicht konstant ist, kann zur Zeit die Internetradionutzung nicht gemessen werden. Eine denkbarer Ansatz wäre, das Zeitfenster von 3 Sekunden auf 60 Sekunden zu erhöhen, um somit auch das Internetstreaming erheben zu können. Allerdings verlangt dies eine Anpassung der Zuschreibungsregeln, denn bei einer Verlängerung der Aufzeichnung wird das Risiko erhöht, dass Konservenmusik fälschlich als Radio erkannt wird. Zudem ist ein Nachteil dieses Lösungsansatzes, dass die Nutzung von Podcasts und Radio on Demand weiterhin nicht erfasst werden könnten.

Eine andere Möglichkeit ist das Audio Watermarking. Mit dieser Technologie kann zusätzliche Information in eine Tonspur eingebettet werden. Diese sogenannten akustischen Wasserzeichen werden durch das menschliche Ohr nicht wahrgenommen. Damit liessen sich Radiosignale so kodieren, dass sie mit der dazugehörigen Entschlüsselungstechnologie jederzeit und überall richtig erkannt würden. Auf diese Weise liesse sich die mit dem aktuell verwendeten Messsystem nicht erfasste zeitversetzte Nutzung messen (Hören von heruntergeladenen Podcasts (portable digital broadcast), pausierte DAB-Sendungen, "Nachhören" von Sendungen auf dem Internet).
Das Audio Watermarking hat jedoch noch nicht Feldreife erreicht. Denn die akustischen Wasserzeichen sind nicht absolut komprimierungs-fest, d.h. sie werden unter Umständen beim Kreieren von Podcast-Dateien gelöscht. Des Weiteren ist zwar das Wasserzeichen als solches für das menschliche Ohr nicht hörbar ist, trotzdem nimmt aber der Hörer teilweise ein „Scheppern“ wahr, da durch das Wasserzeichen die Tonspur leicht verändert wird. Zudem lässt sich der Markt nur vollständig abbilden, wenn alle Sender, auch alle relevanten ausländischen Sender, mitmachen.

Darüber hinaus müsste auch der Begriff "Markt" revidiert werden: Wie lange und wann rechnen wir einen zusätzlichen Hörer der Tagesreichweite einer Sendung noch zu? Hört sich jemand eine Sendung als Podcast an und dies 12 Stunden, nachdem sie über den Äther ging, so zählt diese Person zum erreichten Personenkreis; Erfolgt diese Nutzung aber erst 7 Tage danach, so wird sie nicht mehr dazugezählt? Wie unterscheiden wir zwischen einem zusätzlichen Hörer und einem Wiederholungshörer, oder überdenken wir auch den Kennwert der Nettoreichweite?


2. Die Nutzung anderweitig erfassen und ins Panel aufrechnen

Eine anderer Lösungsansatz ist, die nicht erhobenen Nutzungsdaten anderweitig zu erfassen und in das Panel aufzurechnen. So wäre zum Beispiel eine Möglichkeit, die Daten der Internetradionutzung in Zusammenarbeit mit der Net-Metrix zu erheben und sie anschliessend mit den Nutzungsdaten aus dem Radiopanel zu verknüpfen.